07.03.2019

Äthiopien: Integration durch gute Ernten

In der Region Gambela, im äußersten Westen von Äthiopien, bekommen Einheimische und Geflüchtete aus dem Südsudan Schulungen zum Anbau von Mais und Gemüse, damit sie ihre Ernten steigern können. Für Aktion Tagwerk ist dies ein neues Projekt, das in der Kampagne 2019 über unseren Kooperationspartner Brot für die Welt unterstützt wird.

Von besseren Ernten profitieren alle

Die Region Gambela ist landwirtschaftlich geprägt, von der boomenden Wirtschaft in der weit entfernten Hauptstadt Addis Abeba ist hier nichts zu spüren. Aus dem benachbarten Südsudan sind mehr als 400.000 Menschen vor dem seit 2013 andauernden Bürgerkrieg nach Gambela geflüchtet. Das sorgt bisweilen für Spannungen in der Bevölkerung, denn Geflüchtete und Einheimische konkurrieren um Weideland und Ackerflächen. Brot für die Welt unterstützt darum beide Gruppen durch Fortbildungen in ökologischen Anbaumethoden. Damit kann der Ernteertrag mehr als verdoppelt werden. Konkretes Ziel der Arbeit ist es, die Monate im Jahr zu reduzieren, in denen die Menschen zu wenig zu essen haben. Aktuell sind das drei, manchmal sogar fünf Monate. In dieser Zeit ist die alte Ernte aufgebraucht und die neue reift noch auf den Feldern. Diese Zeit soll auf einen Monat begrenzt werden.

Außerdem lernen die Teilnehmenden, Gemüse anzubauen. Kürbis, Auberginen, Tomaten und Zwiebeln sind für viele Familien eine Neuerung auf ihrem Speiseplan. Das Gemüse verbessert die Gesundheit der Menschen, und Überschüsse können auf dem Markt verkauft werden und ermöglichen damit ein kleines Einkommen. So verbessern sie die Lebensumstände von Einheimischen und Geflüchteten.

Ziegen ermöglichen Schulbildung

Auch die Familie des 12-jährigen Bahns gehört zu den 990 Haushalten, die durch das Projekt unterstützt werden. Bhans Familie ist vor zwei Jahren vor Kämpfen aus dem Südsudan geflohen. Erst verbrachten sie einige Zeit in einem überfüllten Flüchtlingscamp, doch nun haben sie in dem Dorf Pilual ein neues Zuhause gefunden. Sie bekamen ein Stück Land, wo sie Mais und Sorghum anbauten. Die Anfangszeit war schwierig, und die Familie hatte oft nicht genug zu Essen. Doch Dank des Projekts von Brot für die Welt konnten sie einen Gemüsegarten anlegen. Auch vier Ziegen bekam die Familie von Brot für die Welt, aus denen inzwischen acht geworden sind. Die Ziegen geben Milch, die Bhan und seine vier Geschwister trinken oder die ihre Mutter in der nächsten Stadt verkauft.

Die Ziegen zu hüten und aufzupassen, dass sie nicht weglaufen, ist eine von Bhans täglichen Aufgaben. Doch das macht ihm nichts aus. Denn einmal im Jahr verkauft Bhans Vater eine Ziege, und von dem Erlös können unter anderem Bhans Schulbücher bezahlt werden. So kann er seinem Traum, Arzt zu werden, ein Stück näher kommen.

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Katrin Dörrie

Als Referentin für Globales Lernen kümmert sich Katrin Dörrie um die Vermittlungen der neuesten Informationen aus den unterstützten Projektländern und Projekten. Unter anderem ist sie für die Inhalte des Aktion Tagwerk-Blogs verantwortlich.

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