28.04.2020

Begegnung mit ehemaligen Straßenkindern

Während der Projektreise nach Ruanda im Februar 2020 tauschten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im freiwilligen sozialen Jahr von Aktion Tagwerk intensiv mit den Menschen vor Ort aus. Paul Zmarzly blieb vor allem die Begegnung mit ehemaligen Straßenkindern in Erinnerung. 

Während unserer Projektreise nach Ruanda im Februar 2020 besuchten wir alle von Aktion Tagwerk unterstützten Projekte. Der persönliche Austausch mit den Menschen vor Ort stand dabei im Vordergrund. Ganz besonders beeindruckt hat mich unser Besuch im Straßenkinderzentrum „Les Enfants De Dieu in Kigali, der Hauptstadt Ruandas. In dieser Einrichtung werden Jungen, die in Kigali auf der Straße leben, aufgenommen. Sie erhalten dort einen sicheren Rückzugsort, so wie eine Schlafmöglichkeit, Verpflegung, Bildung und ein umfangreiches Freizeitangebot.

Im Straßenkinderzentrum konnten wir uns etwas länger mit den Jungen vor Ort austauschen. Indem wir gemeinsam Fußball und Volleyball spielten,  wurde Vertrauen aufgebaut, so dass man das Gefühl hatte die Jungen kennen zu lernen. Es sind auch sehr interessante Gespräche entstanden, beispielsweise über Themen wie Zukunft und Berufsleben. Ein Junge aus dem Zentrum möchte, wenn er alt genug ist, seinen Führerschein machen um Fahrer zu werden. Aber es sind auch Erlebnisse und Geschichten zu Tage gekommen, die für uns in Deutschland oder auch anderen Ländern des globalen Nordens nur schwer bis gar nicht vorstellbar sind. Unter anderem erzählte mir der Junge, welcher gerne Fahrer werden würde, dass er gerade mal seit einer Woche in dem Zentrum für ehemalige Straßenkinder ist. Davor hat er mit seinen beiden Geschwistern und seinem Vater in einer Lagerhalle am Straßenrand in Uganda gelebt. Er ist nun alleine im Zentrum ohne seine Geschwister, denn bei einem Brand der Lagerhalle, nur Wochen zuvor, verlor seine Geschwister und jeglichen Kontakt zu seinem Vater. Daraufhin gelang es ihm nach Ruanda zu kommen, um nach seiner Mutter zu suchen, doch bisher vergebens. Von Sozialarbeitern des Zentrums angesprochen, fand er eine sichere Zuflucht im Zentrum für ehemalige Straßenkinder, EDD. Dies ist nur eine Geschichte von vielen, in denen Jungen keine Jungen mehr sind, sondern Männer sein müssen. Natürlich gehen einem dann diese Berichte von Herausforderungen und Widrigkeiten, mit denen sie fertig werden müssen sehr nahe, aber allein dieser Besuch motiviert und bestärkt einen nur darin, dass die Arbeit hier in Deutschland enorm wichtig ist und man damit unbedingt weiter machen muss, damit man jungen Menschen eine Perspektive geben kann.

Ganz besonders toll finden ich, dass ich auch nach unserer Rückkehr nach Deutschland noch Kontakt zu einem Betreuer aus dem Zentrum habe. Claude, der selbst als Straßenkind im Zentrum aufgenommen wurde, hat  mittlerweile  seinen Schulabschluss gemacht und einen Arbeitsplatz als Betreuer im Zentrum bekommen. Claude schrieb mir, nachdem ich ihm erklärt habe welche Arbeit wir als Verein in Deutschland übernehmen: „I’m verry happy to have friends like you who can’t get tired of supporting others.“(zu Deutsch: „Ich bin sehr glücklich darüber, Freunde wie euch zu haben, die nicht müde werden anderen zu helfen.“)

Wenn ich die Nachricht von Claude lese, merke ich, wie wertvoll die Projektreise für mich war und wie viel wir  mit unserer Arbeit bewirken können. Die Begegnungen, der Austausch und die Erfahrungen, die wir vor Ort machen konnten, sind etwas ganz besonderes und haben mich bestärkt, nun in Schulen davon zu berichten. Hier in Deutschland möchte ich die Erlebnisse mit möglichst vielen Leuten teilen.  In der Hoffnung, zumindest ein paar Schülerinnen und Schüler zu erreichen und sie darin zu bestärken sich zu engagieren, denn Hilfe und Engagement kann so einfach sein, wenn man es denn nur möchte.

Paul Zmarzly

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Katrin Dörrie

Als Referentin für Globales Lernen kümmert sich Katrin Dörrie um die Vermittlungen der neuesten Informationen aus den unterstützten Projektländern und Projekten. Unter anderem ist sie für die Inhalte des Aktion Tagwerk-Blogs verantwortlich.

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