10.05.2019

Frauenpower in Ruanda

Als Katharina Gerstein, FSJlerin bei Aktion Tagwerk, im Oktober 2018 Ruanda besuchte, war sie vor allem von den Frauen im Land beeindruckt. Hier schildert sie ihre Eindrücke. 

Wenn man durch Ruanda läuft, fällt eins auf: überall sind starke Frauen. Man sieht sie mit einem schweren Korb auf dem Kopf den sie, trotz der Kinder auf die sie gleichzeitig aufpassen, perfekt balancieren. Man sieht sie als Bauarbeiterinnen, ein für mich eher ungewohntes Bild, da dieser Beruf in Deutschland von Männern dominiert ist. Und natürlich sieht man sie bei den Frauenkooperativen, die von Aktion Tagwerk unterstützt werden.

Die erste Frauenkooperative, die wir besuchen liegt in Tumba. Es handelt sich um eine Ziegelbrennerei, bei der vor allem alleinerziehende Mütter Arbeit finden, um ihren Kindern Mahlzeiten und ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Als die Frauen von ihrer Arbeit erzählen, merkt man, dass es sich um mehr handelt als nur Arbeit. Für die Frauen steht die Kooperative für Hoffnung. Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf Bildung für ihre Kinder, die ohne die Kooperative vielleicht auf der Straße gelandet wären. Die Frauen finden in Tumba eine Gemeinschaft und haben die Möglichkeit mit einer von Aktion Tagwerk finanzierten Sozialarbeiterin über ihre Probleme zu sprechen. Die Sozialarbeiterin in Tumba heißt Gloriose, eine Frau, die selbstbewusst und stolz zum Mikrofon schreitet und uns erzählt, wie Frauen, die aus ärmeren Verhältnissen kommen hier die Chance haben, die Bildung nachzuholen, die ihnen aufgrund des Geldmangels gefehlt hat.

„Equal Pay“ ist selbstverständlich

Als ich Gloriose später frage, ob die Frauen bei ihrer Arbeit genauso viel verdienen wie Männer, ist sie verwirrt. In Ruanda ist „Equal Pay“ kein Thema. Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen wird staatlich sehr gefördert. Die Hälfte aller Richter ist weiblich, viele Abgeordnete sind Frauen. Privat ist die Gleichberechtigung jedoch nicht so fortgeschritten, erzählt mir Gloriose. Oft haben Männer noch die Vorstellung, dass sich Frauen um Kinder und Haushalt kümmern sollen, weshalb jegliche Unterstützung auf Seiten der Männer fehlt. „Warum trennen sich die Frauen nicht von ihrem Mann, wenn sie weder unterstützt noch respektiert werden?“, frage ich. „Ehe ist sehr wichtig in Ruanda“, erfahre ich. Wer Kinder hat, aber keinen Ehemann (so wie viele Frauen der Kooperative) ist gesellschaftlich ein Außenseiter. „Deswegen ist die Frauenkooperative so wichtig“, sagt Gloriose. „Hier werden die Frauen akzeptiert!“.

Ich frage sie nach einer Erfolgsgeschichte aus Tumba. Sie erzählt stolz: „Eine Frau musste, bevor sie angefangen hat in der Kooperative zu arbeiten, ihren Mann wegen allem fragen und wurde von ihm unterdrückt. Dadurch, dass sie jetzt ihr eigenes Geld verdient, kann sie viele Entscheidungen selbst treffen und wird von ihrem Mann mehr respektiert. Die Kooperative hat ihr Selbstbewusstsein gegeben und die Kraft, für ihre eigenen Rechte einzustehen.“

Für mich ist nun klar: Frauen in Ruanda sind staatlich hoch angesehen, doch privat braucht es noch einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel. Ein erster Schritt sind jedoch Kooperativen wie diese, wo Frauen eine zweite Chance gegeben wird.

Ein Bericht von Katharina Gerstein

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Katrin Dörrie

Als Referentin für Globales Lernen kümmert sich Katrin Dörrie um die Vermittlungen der neuesten Informationen aus den unterstützten Projektländern und Projekten. Unter anderem ist sie für die Inhalte des Aktion Tagwerk-Blogs verantwortlich.

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