21.08.2019

Höhen und Tiefen in der Brückenschule

Seit 2018 unterstützt Aktion Tagwerk eine Brückenschule in Bobo-Dioulasso. Die Schule richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche, die das Einschulungsalter überschritten haben oder denen mehrere Schuljahre fehlen.  

Die meisten Kinder und Jugendlichen, die die Schule besuchen, kommen aus dem dicht besiedelten Stadtteil Ouezzinville. Die Bevölkerung in dem Stadtteil ist arm. Es gibt keine asphaltierten Straßen und der Großteil hat keinen Zugang zu Wasser. Auch an die öffentliche Stromversorgung sind die meisten nicht angeschlossen. Die meisten Häuser, Baracken und Hütten sind illegal gebaut. Die Familien sind groß und die meisten haben zusätzlich Kinder von Verwandten aufgenommen, die auf dem Land in einem Dorf leben. Für die von Verwandten aufgenommenen Kinder wird häufig kaum Verantwortung übernommen, sie werden sich selber und dem Straßenleben überlassen. Viele junge Menschen in Ouezzinville mussten die Schule zumeist aus Armutsgründen abbrechen und können nun wegen ihres fortgeschrittenen Alters nicht einfach zurückkehren. Bei Mädchen ist der Abbruch der Schule noch häufiger zu beobachten, da sie oft arbeiten müssen um ihre Familien finanziell zu unterstützen.

Die Brückenschule bietet diesen Kindern und Jugendlichen eine Chance, sich wieder in die Gesellschaft einzufügen und trotz ihrer Herkunft ein selbstbestimmtes Leben zu führen, eine Ausbildung zu machen sowie eine angemessene Arbeit zu finden. Derzeit werden hier 102 Kinder und Jugendliche von 5 Lehrerinnen und ein Lehrern unterrichtet. Sie haben die Möglichkeit innerhalb von 3 Jahren die gesamte Grundschulzeit (in Burkina Faso beträgt diese regulär 6 Jahre) nachzuholen.

Intensive Betreuung für Straßenkinder

Es gibt eine weitere Gruppe von Kindern, die in die Bildungsaktivitäten einbezogen wurden: Kinder, die auf der Straße leben. Diese erhalten Alphabetisierungsunterricht und werden auch sozial betreut (beispielsweise mit Hilfe von sportlichen Aktivitäten), um eine ganzheitliche Wiedereingliederung in Schule und Gesellschaft zu ermöglichen. Zurzeit werden die 27 Kinder von einem Mitarbeiter betreut. Alphabetisierungsunterricht findet vormittags und in Abendkursen statt. Mittags haben die Kinder die Möglichkeit in der Schulkantine zu essen. Zudem werden sie medizinisch betreut. Diese Gruppe ist die bedürftigste und bedarf intensiverer Betreuung, so dass der Schwerpunkt der Arbeit sich auf diese konzentriert.

Durchschnittlich ca. 85% der Kinder können mit Hilfe der Brückenschule die Grundschule beenden und das nationale Examen ablegen, 2018 waren es sogar erfreuliche 100 %. Einige von ihnen besuchen im Anschluss das Don Bosco Berufsbildungszentrum auf dem gleichen Gelände, um durch eine Ausbildung den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen.

Nicht immer läuft alles glatt

Immer gibt es auch wieder Rückschläge für die Brückenschule. So mussten im Schuljahr 2018-19 drei Mädchen die Brückenschule abbrechen. Manche bekommen jedoch dann auch eine dritte Chance: zum Beispiel Rosalie Ouédraogo, die im August 2018 im Rahmen des Projektes am Kiefer operiert wurde. Im kommenden Oktober wird sie wieder die Schule aufnehmen.

Nachdem die Nachfrage nach Plätzen in der Brückenschule jahrelang immer weiter stieg, gab es 2018 – 2019 zum ersten Mal einen kleinen Rückgang der Schülerzahlen. Um mehr Kinder ohne Grundschulbesuch zu erreichen, setzt die Brückenschule wieder auf aktivere Sensibilisierung  (z.B. durch Flyerverteilen in der Stadt und Pfarrgemeinde) sowie mehr Dialog mit den Eltern. Viele Eltern machen sich Sorgen wegen des nicht besonders guten gesellschaftlichen Ruf eines Teils der Schülerinnen und Schüler. Viele Kinder kommen aus schwierigen Verhältnissen und sind daher nicht leicht zu bändigen, manche sind von anderen Schulen geflogen.

Trotz dieser schwierigen Ausgangslage hat die Schule 2018 eine Verdienstauszeichnung erhalten. Die Brückenschule arbeitet sehr erfolgreich, denn fast alle der Kinder werden durch das Ablegen des nationalen Examens befähigt, eine weiterführende Schulbildung oder eine Ausbildung zu machen. Einige von ihnen gehören zu den Besten der Abschlussjahrgänge der weiterführenden Schulen. Im letzten Schuljahr haben alle 16 Schülerinnen und Schüler ihre Grundschulabschlussprüfung mit sehr guten Noten bestanden.

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Katrin Dörrie

Als Referentin für Globales Lernen kümmert sich Katrin Dörrie um die Vermittlungen der neuesten Informationen aus den unterstützten Projektländern und Projekten. Unter anderem ist sie für die Inhalte des Aktion Tagwerk-Blogs verantwortlich.

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