28.03.2019

Kinder auf sich allein gestellt

Seit mehr als 10 Jahren unterstützt Aktion Tagwerk sogenannte Kinderfamilien, also Kinder, die ohne ihre Eltern aufwachsen. Die Geschwister leben weiter zusammen, ohne dass ihre Eltern, Verwandte oder andere Erwachsene für sie sorgen. Das älteste Geschwisterkind übernimmt dann in der Regel die Verantwortung für die jüngeren Geschwister. Die Kinderfamilien gehören zu den ärmsten Haushalten in Ruanda und die Kinder sind mit der Situation meist vollkommen überfordert. Derzeit begleitet das Kinderfamilienprojekt von Aktion Tagwerk ca. 200 Kinderfamilien auf ihrem Weg in ein besseres Leben.

Eine dieser Familien ist die Familie von Sandrine. Sandrine ist 20 Jahre alt und kümmert sich um ihre Schwestern Violette (13) und Sylvie (11) sowie um ihr eigenes Kind Belise (1). Sandrine und ihren Schwestern lebten bei ihrer Mutter, die aber nach einer langen Krankheit 2009 starb. Der Vater der Mädchen hatte zwei Frauen und hat sich nur wenig um sie gekümmert, nach dem Tod der Mutter verschwand er schließlich ganz und bis heute wissen die Schwestern nicht, wo er ist. Eine Tante und ein Onkel nahmen die Schwestern zeitweise auf, aber da sie selbst eine Familie zu versorgen hatten, konnten sie sich bald nicht mehr um sie kümmern.

Sandrine verließ die Schule und arbeitete eine Weile als Hausmädchen in der nahegelegenen Stadt Kamembe, während ihre Schwerstern von einer Nachbarsfamilie mitversorgt wurden. Doch dann wurde Sandrine schwanger und suchte erneut Zuflucht bei ihrer Tante, wo sie im Juni 2017 ihr Baby zur Welt brachte. Die Tante mietete ein Haus für Sandrine, ihre Schwestern und das Baby, in dem sie seither leben. Die Tante konnte allerdings die Miete nur für zwei Monate zahlen, nun müssen Sandrine und ihre Schwestern selbst dafür aufkommen. Einige Nachbarn versuchten, den Mädchen ein wenig zu helfen, aber sonst waren sie ganz auf sich allein gestellt.

Vergangenes Jahr wurde Sandrines Familie in das Kinderfamilienprojekt aufgenommen. Das Projekt kommt für die Schulkosten und die Krankenversicherung auf, und es ist geplant, dass ein neues Haus für sie gebaut wird. Violette und Sylvie können die Schule wieder besuchen und Sandrine bekommt Hilfe bei der Bepflanzung des Gemüsegartens, damit sie die kleine Familie besser ernähren kann. Eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin helfen ihnen, ihren Alltag besser zu organisieren.   Die Schwestern haben noch einen langen Weg vor sich, um ihre Situation nachhaltig zu verbessern und eine gute Zukunft für sich zu schaffen. Aber sie arbeiten hart und sind fest entschlossen, sich ein besseres Leben aufzubauen. Aktion Tagwerk wird sie dabei unterstützen, ebenso wie viele andere Kinderfamilien.

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Katrin Dörrie

Als Referentin für Globales Lernen kümmert sich Katrin Dörrie um die Vermittlungen der neuesten Informationen aus den unterstützten Projektländern und Projekten. Unter anderem ist sie für die Inhalte des Aktion Tagwerk-Blogs verantwortlich.

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