13.05.2020

Mit Corona kommt der Hunger

Die Kinderfamilien in Ruanda leiden besonders unter den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Aktion Tagwerk hilft. 

Unser Projektland Ruanda ist bisher einigermaßen glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen, zumindest was die Anzahl der Erkrankten und die weitere Ausbreitung betrifft.  Offiziell gibt es insgesamt bisher nur 243 Menschen in Ruanda, die nachgewiesenermaßen an Covid-19 erkrankt sind, und keinen einzigen Todesfall. Die Regierung hatte zu Beginn der Pandemie auch schnell und entschlossen reagiert: Grenzen wurden geschlossen und eine strikte Ausgangssperre wurde verhängt. Anfang Mai wurden die Maßnahmen daher nun erstmals wieder gelockert. Trotzdem bleiben Schulen bis zum Ende der Sommerferien im September geschlossen, große Veranstaltungen bleiben verboten und die Grenzen geschlossen.

Geringe Fallzahlen, aber erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Menschen

Weit schlimmer als die Covid-19-Erkrankung selbst sind die Auswirkungen, die die strengen Maßnahmen, welche die Regierung getroffen hat, auf die Ruanderinnen und Ruander haben. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen in unseren Projekten, die schon unter normalen Umständen damit zu kämpfen haben, täglich Essen auf den Tisch zu bekommen, trifft es hart.

Unsere ruandische Partnerorganisation STRIVE Foundation Rwanda ist trotz der Einschränkungen weiterhin für die Kinder und Jugendlichen in den Projekten da und hält so gut wie möglich Kontakt, meist telefonisch. Insbesondere die Kinderfamilien, also Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aufwachsen, leiden unter den die Corona-Maßnahmen.  Sie leben abgelegen in ländlichen Regionen und bauen das meiste von dem, das sie Essen, selbst an. Zwar hat die Regierung es ausdrücklich erlaubt, weiter Landwirtschaft zu betreiben und die Felder zu bestellen. Allerdings nur mehr für eine bestimmte Anzahl von Stunden am Tag, und nicht mehr in Gruppen – die Abstandsregelungen müssen eingehalten werden.

Weniger Ernte, kein Schulessen, kein Einkommen

Beides sind für die Kinderfamilien echte Probleme: Weniger Zeit auf dem Feld heißt auch, dass später weniger geerntet werden kann. Und in normalen Zeiten helfen sich die Kinderfamilien in unserem Projekt häufig gegenseitig, größere Projekte werden zusammen angegangen, und zusammen ist oft auch die Motivation größer. Doch nun ist es nicht mehr möglich, in einer Gruppe gemeinsam das Feld zu bestellen. Auch das führt dazu, dass weniger Arbeit in die Felder gesteckt wird und letztendlich weniger geerntet wird.

Da die Schulen geschlossen sind, bekommen die Kinder in den Kinderfamilien auch keine warme Schulmahlzeit mehr. Normalerweise erhalten sie einmal am Tag in der Schule ein Mittagessen. Nun müssen sie Zuhause essen, aber dafür muss wiederum mehr geerntet bzw. eingekauft werden. Das stellt die Kinderhaushalte vor große Probleme. Hinzu kommt, dass viele der Jugendlichen in den Kinderfamilien, die für ihre jüngeren Geschwister sorgen, oft mit Gelegenheitsjobs die Familienkasse aufbessern. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen fallen diese nun oft komplett weg, die Familien haben noch weniger Einkommen als sonst. Die Regierung hat bisher keinerlei Unterstützung für die Ärmsten geleistet, lediglich in der Stadt wurden einige Lebensmittel an Arme verteilt. Die Kinderfamilien auf dem Land sind bisher leer ausgegangen.

All diese Faktoren führen dazu, dass die Kinder und Jugendlichen in den Kinderfamilien zunehmend an Hunger leiden. Schon jetzt ist es für die meisten Kinderhaushalte schwierig, zwei Mahlzeiten am Tag auf den Tisch zu bringen. Und die Situation wird sich in den nächsten Monaten noch verschärfen.

Aktion Tagwerk hat zusammen mit unseren Projektpartnern Human Help Network und STRIVE Foundation Rwanda schon reagiert und Reis, Maismehl, Yams, Trockenfisch sowie Seife gekauft. Die ersten Notfallpakete sind bereits an Kinderfamilien verteilt werden. Doch das ist bisher nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Notfallpakete sichern das Überleben der Kinder für die nächsten zwei bis drei Wochen, doch langfristig stehen die Kinder vor noch viel größeren Herausforderungen. Viele Kinderfamilien, die in ihrem schwierigen Leben gerade erst wieder Mut geschöpft hatten und sich mit Hilfe der Psychologinnen und Psychologen sowie den landwirtschaftlichen Beraterinnen und Beratern eine bessere Perspektive für ihre Zukunft erarbeitet haben, sind durch die Corona-Krise mutlos und verzweifelt geworden. Viele der kleinen Fortschritte der Familien sind zunichte gemacht worden. Es wird viel Zeit und Arbeit der lokalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von STRIVE und viel Mut und Entschlossenheit der Kinder benötigen, um die Familien erneut auf einen besseren Weg zu bringen.

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Katrin Dörrie

Als Referentin für Globales Lernen kümmert sich Katrin Dörrie um die Vermittlungen der neuesten Informationen aus den unterstützten Projektländern und Projekten. Unter anderem ist sie für die Inhalte des Aktion Tagwerk-Blogs verantwortlich.

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