28.08.2019

Mit einer guten Ausbildung der Armut entkommen

Guinea, an der westlichsten Küste des afrikanischen Kontinents, ist eigentlich ein reiches Land. Geologen nennen das Land einen „geologischen Skandal“. Die Guineer selbst erzählen immer wieder die märchenhafte Geschichte von Gott, der über die Erde wandelte um die Rohstoffe gerecht zu verteilen, doch dann stolperte und seine Schätze über Guinea verschüttete.

Denn unter dem Boden von Guinea liegen Gold, Diamanten, Eisenerz und vor allem: Bauxit, dem Rohstoff für die Herstellung von Aluminium. Und doch profitieren die Menschen in Guinea nicht von dem Reichtum. Erst die Kolonialherren, dann gewalttätige Diktatoren beanspruchten den Reichtum für sich und überließen die Bevölkerung sich selbst. Seit 2010 gibt es zwar nun eine demokratisch gewählte Regierung, aber Korruption und Misswirtschaft verhindern immer noch, dass das ganze Land vom Reichtum profitiert.

Darunter zu leiden hat insbesondere die Jungend Guineas. Nur 57 % der männlichen und 37 % der weiblichen Jugendlichen haben lesen und schreiben gelernt. Die Familien sind arm und leben meist nur von dem, was sie auf den Feldern anbauen. Die meisten Jugendlichen wollen aus ihrer armen Umgebung ausbrechen und eine gute Arbeitsstelle haben. Sie träumen von einer besseren Welt und hohem Verdienst. Häufig sind sie dabei leider ein leichtes Opfer für die Besitzer der Minen, in denen das Eisenerz oder das Bauxit abgebaut werden. Sie locken Kinder und Jugendliche mit viel Geld und schnellem beruflichen Aufstieg. Tatsächlich ist es ein Abstieg in eine Welt von Sklaverei und Ausbeutung.

Erfolgsmodell Berufsausbildung

Um den Jugendlichen in Guinea andere, bessere  Zukunftschancen zu eröffnen, unterstützt Aktion Tagwerk seit der Kampagne 2018 ein Berufsbildungszentrum in Kankan, einer Stadt im Osten des Landes. Das Zentrum wird von den Salesianern Don Boscos geleitet, einem katholischen Orden, der  sich der Kinder- und Jugendarbeit verschrieben hat. Das Zentrumsteht vor allem benachteiligten Jugendlichen offen. Es werden die Ausbildungszweige Schreinerei, Mechanik, Kfz-Mechanik, Schweißen und Elektrizität angeboten.

Vor Beginn der Ausbildung erfolgt ein Aufnahmetest. Das nationale Abschlusszeugnis erlaubt es den Graduierten hauptsächlich in Unternehmen zu arbeiten, die in den Minen tätig sind oder im Straßenbau / Verkehrswesen. Einige machen sich aber auch mit kleinen Werkstätten selbständig. Die Qualität der Ausbildung ist im Landesvergleich sehr hoch. 60 % des Unterrichts findet praktisch statt. Auch Mädchen gehören zu den Auszubildenden in den traditionell eher männlich dominierten Berufsbildern, eine kleine Revolution in Guinea. Nach Abschluss der Ausbildung wird den Jugendlichen mit Hilfe eines Arbeitsvermittlungsbüros geholfen eine Arbeitsstelle zu finden.

Die Auszubildenden werden bei der Verwaltung des Materials fest miteingebunden. Jede Klasse wählt eine/n Delegierte/n, die/der zusammen mit der Lehrkraft den Bestand kontrollieren und dafür sorgen, dass das Material ordnungsgemäß verstaut und die Räume sauber und aufgeräumt hinterlassen werden. Dies fördert das Engagement, das Verantwortungsgefühl und den Ordnungssinn der Jugendlichen. Eingebettet in die Vermittlung weiterer Soft Skills wie Pünktlichkeit, Konfliktfähigkeit und Zuverlässigkeit werden die Jugendlichen gut auf die Arbeitswelt und ihr Erwachsenenleben im Allgemeinen vorbereitet.

Ein Abschluss am Don Bosco Berufsbildungszentrum hat einen hohen Wert, da die „Marke“ Don Bosco einen sehr guten Ruf im Land hat und fast alle der Absolventen einen guten Job im Anschluss an die Ausbildung finden. Zudem ist eine Ausbildung allgemein besser für den anschließenden Start ins Berufsleben als ein Abschluss an einer weiterführenden Schule und ein Studium. Denn die Arbeitslosigkeit unter Universitätsabsolventen ist sehr hoch, es gibt so gut wie keine passenden Jobs. Mit einer guten handwerklichen Ausbildung dagegen stehen die Chancen deutlich besser.

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Katrin Dörrie

Als Referentin für Globales Lernen kümmert sich Katrin Dörrie um die Vermittlungen der neuesten Informationen aus den unterstützten Projektländern und Projekten. Unter anderem ist sie für die Inhalte des Aktion Tagwerk-Blogs verantwortlich.

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