19.11.2019

Neues bei „Les Enfants de Dieu“ (EDD)

Das Straßenkinderzentrum „Les Entfants de Dieu“ liegt mitten in Kigali. Im Jahr 2002 wurde es als Anlaufstelle und Schutzzentrum für  Straßenkinder gegründet und wird seit 2010 von Human Help Network und Aktion Tagwerk unterstützt.

Das Zentrum leistet seit vielen Jahren wichtige und dringend notwendige Arbeit. Viele ehemalige Straßenkinder konnten hier ein sicheres Zuhause finden und in einem geordneten Alltag fern ab der Straße aufwachsen.  Dabei bewährte sich auch das pädagogische Konzept bei EDD: Im Sinne einer gelebten Demokratie organisierten die ehemaligen Straßenkinder sich selbst in verschieden Ministerien, die alle wichtigen Bereiche des Zentrums abdeckten. Durch Partizipation, Mitsprache und Verantwortung wurden die jungen Erwachsenen so in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt. 

Seit 2012 sieht ein Programm der ruandischen Regierung allerdings vor, Straßen- und Waisenkinder nicht länger als sechs Monate in sogenannten Straßenkinderzentren unterzubringen. Ziel soll es sein, sie möglichst schnell wieder an ihre Familien oder an Pflegefamilien zu übergeben und sie so in die Gesellschaft zu reintegrieren. Durch das Regierungsprogramm sah sich „Les Entfants de Dieu“ somit gezwungen, das bisherige Konzept des Zentrums zu überarbeiten und an die offiziellen Vorgaben anzupassen. Das erforderte auch eine Anpassung des „Minister-Systems“, das auf eine längeren Verbleib der Jugendlichen im Zentrum ausgelegt war.

Durch externe Beratung, Austausch mit anderen Zentren und die langjährige pädagogische Erfahrung gelang es nun, ein neues pädagogisches Konzept zu entwickeln, das die Vorgaben der Regierung berücksichtigt und gleichzeitig an der Philosophie des Zentrums anknüpft.

Seit Mitte des Jahres hat sich deshalb die Anzahl der Jungen, die bei EDD leben und betreut werden, von 100 auf ca. 60 reduziert. Ihr Aufenthalt ist nun auf sechs Monate begrenzt. Innerhalb des Zentrums leben immer zehn Jungs in einer Kleingruppe   ̶  wie in einer Familie  ̶  zusammen: sie sitzen zusammen am Essenstisch, haben ihre Betten nebeneinander stehen, unterstützen sich gegenseitig  und sind für einander da. Jedes Kind übernimmt innerhalb seiner Familie eine bestimmte Aufgabe und lernt somit Verantwortung zu übernehmen, mitzubestimmen und Entscheidungen zu treffen. Das Vertrauen, das in die Kinder gesetzt wird, ist dabei ganz besonders wichtig. Es stärkt sie sowohl in ihrem Selbstwertgefühl als auch in ihren Fähigkeiten, ihr Leben selbst zu gestalten.

Neben dem neuen „Familienprinzip“ liegt der zweite Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit von EDD auf der Elternarbeit. Denn die meisten Jungen, die im Zentrum leben, sind zwar ehemalige Straßenkinder, haben aber noch Eltern, die in Kigali oder der Umgebung leben. Damit die Kinder und Jugendlichen nach ihrem Aufenthalt bei EDD zu ihren Familien zurückkehren und sich in ihrem alten Umfeld wieder gut zurecht finden können, ist auch die Betreuung, Begleitung und Beratung der Eltern dringend notwendig. Durch pädagogische und psychologische Gruppen- und Einzelarbeit werden sowohl die ehemaligen Straßenkinder als auch ihre Eltern auf die Zusammenführung der Familie vorbereitet. Die Eltern werden von Anfang an in die Verantwortung genommen, denn sie sind es, die auch nach den sechs Monaten die Verantwortung für die Kinder wieder übernehmen müssen.

Die ersten Erfahrungen die „Les Entfants de Dieu“ mit seinem neuen Konzept macht, sind bisher sehr positiv: Die Kinder und Jugendlichen finden sich nach ihrer Ankunft in den kleinen familiären Gruppen gut zurecht und haben sich inzwischen im Zentrum eingelebt. Durch das Einbeziehen der Eltern ist der Anreiz für die ehemaligen Straßenkinder größer, sich auf die Rehabilitierung und die vorgegebenen Strukturen im Zentrum einzulassen. Auch die Eltern nutzen die Unterstützungsangebote und kommen zu den regelmäßig stattfindenden Sitzungen im Zentrum.

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Lea Korossy-Julius

Als Referentin für Organisation und Globales Lernen ist Lea Korossy zuständig für die inhaltliche Betreuung des Freiwilligenteams. Sie konzipiert Workshops zur Weiterbildung und bereitet die Freiwilligen auf ihre Infomobil-Besuche vor.

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