Lerne Ruanda kennen

Ruanda auf einen Blick

Name: Republik Ruanda

Hauptstadt: Kigali

Fläche: 26.340 km² (zum Vergleich: Hessen 21.115 km²)

Bevölkerung: ca. 12,5 Mio. Einwohner

Amtssprache: Kinyarwanda, Englisch

Unabhängigkeit: 1. Juli 1962

Staatsoberhaupt: Präsident Paul Kagame

Währung: Ruanda-France

Lebenserwartung: ca. 67 Jahre

Durchschnittsalter: ca. 18,5 Jahre

Human Development Index 2018: Platz 158 von 189

 

Geographie

Im Osten Zentralafrikas liegt Ruanda zwischen dem 1. und 3. Grad südlicher Breite, nur knapp südlich des Äquators. Es grenzt an die Länder Uganda (im Norden), Tansania (im Osten), Burundi (im Süden) und die Demokratische Republik Kongo (im Westen).

Damit gehört Ruanda zur sogenannten Region der Großen Seen: Viktoriasee, Eduardsee, Tanganyikasee und Kivusee – wobei durch Letzteren die Staatsgrenze zwischen Ruanda und der D.R. Kongo verläuft. Etwa so groß wie Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammen, weist Ruanda gerade einmal eine Fläche von 26.338 Quadratkilometern auf. Den Namen „Land der tausend Hügel“ trägt Ruanda insofern zu Recht, als dass es schwer ist, einen Punkt zu finden, an dem man nicht von Hügeln umgeben ist. Am ehesten kann das noch im Osten des Landes funktionieren, wo die Landschaft von trockener Savanne und Sumpfflächen geprägt ist. Ansonsten sind die sprichwörtlichen „tausend Hügel“ von Ruanda – die in Wirklichkeit sogar deutlich mehr sind – sehr grün. Das Land befindet sich auf einer Höhe zwischen 1.500 und 4.000 Metern.

 

Klima

Aufgrund der Kombination aus Tropen- und Höhenlage weist Ruanda ganzjährig ein gemäßigtes Klima auf. In den meisten Regionen herrschen selten Temperaturen unter 15°C bzw. über 30°C vor. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen betragen 18-21°C. Die Jahresniederschläge liegen im Durchschnitt bei gut 1.000 Liter pro Quadratmeter im Jahr. Die beiden Regenzeiten finden von März bis Juni und von Oktober bis November statt. Dazwischen regnet es kaum.

 

Tiere und Pflanzen

Durch jahrhundertelange Rodung zwecks landwirtschaftlicher Nutzung hat der Mensch die natürliche Vegetation Ruandas weitgehend zerstört. Außerdem wurden viele ausländische Pflanzen eingeführt, zum Teil von Europäern, die ihre heimische Vegetation um sich haben wollten, zum Teil im Rahmen von Aufforstungsprogrammen. Im ganzen Land ist mittlerweile der Eukalyptus sehr verbreitet, da er schnell wächst und so abgeholzte Flächen rasch wieder bewaldet werden können. Im Nyungwe Nationalpark, im Südwesten des Landes, kann man noch die letzten Reste des tropischen Regenwaldes in Ruanda sehen.

Bewohnt wird er von einer Vielzahl von Vogelarten und einigen Affenarten, darunter auch Schimpansen und Paviane. Die Vulkangebirge des Virunga Nationalparks im Nordwesten des Landes sind Teil des „Dreiländerecks“ (Ruanda/Uganda/D.R. Kongo), auf dem die letzten Berggorillas der Erde leben. Hier forschte die Zoologin und Verhaltensforscherin Dian Fossey. Durch gezielten Schutz hat sich die Zahl der Gorillas von 1989 bis 2010 von 324 auf 480 Tiere erhöht. Im Osten befindet sich der dritte Nationalpark Ruandas, der Akagera Park. Bezogen auf die Landschaft und die vorzufindende Tierwelt, kommt er den typischen Vorstellungen von Afrika am nächsten. Zebras, Giraffen und Gazellen leben dort in der trockenen Savanne. Außerhalb der Nationalparks trifft man in Ruanda selten exotische Tiere an. Das alltägliche Landschaftsbild prägen Ziegen, Schweine, Kühe und Hühner.

 

Bevölkerung

Ruanda ist nicht nur eines der kleinsten, sondern auch eines der am dichtesten besiedelten Länder Afrikas. Die Schätzungen der Bevölkerungszahl liegen bei ca. 12,5 Millionen, die des Bevölkerungswachstums zwischen 2% und 3%. Zum Vergleich: Die Bevölkerung von Rheinland-Pfalz und dem Saarland zusammen beträgt ca. 5 Millionen, und das Bevölkerungswachstum in Deutschland liegt bei 0,3%. Die Bevölkerungsdichte in Ruanda beträgt, je nach Region, bis zu 1.000 Einwohner pro Quadratkilometer, in Rheinland-Pfalz liegt sie zum Vergleich bei 201,4. Kigali ist die größte Stadt Ruandas, mit schätzungsweise 1 Million Einwohnern. Ruanda ist ein sehr junges Land. Fast die Hälfte aller Ruanderinnen und Ruander, sind unter 18 Jahre alt, sogar 70% unter 25 Jahre. Die Lebenserwartung beträgt ca. 67 Jahre.

 

Landessprachen

Die Muttersprache der meisten Menschen in Ruanda ist Kinyarwanda. Zu ihr als Landessprache gesellte sich während der Kolonialzeit Französisch und ab 2008 Englisch. Letzteres ist Ruandas Beitritt zur Ostafrikanischen Union (ähnlich der Europäischen Union) 2007 geschuldet, da diese vorwiegend englischsprachig ist. Auch über Ostafrika hinaus möchte sich Ruanda, in Anpassung an den sich vollziehenden Prozess der globalisierten, gegenüber der vorwiegend englischsprachigen Weltwirtschaft attraktiv darstellen. Englisch hat seit 2008 Französisch als erste Fremdsprache in der Schule und als Amtssprache in der Praxis abgelöst. Dennoch sind Kinyarwanda, Englisch und Französisch bis heute offizielle Landessprachen.

 

Religion

Religion ist in Ruanda ein sehr wichtiges Thema. Sich keiner Religion zugehörig zu fühlen, wie es bei einem hohen Anteil der deutschen Bevölkerung der Fall ist, kommt in Ruanda selten vor. Christliche Religionen überwiegen. So machen Katholiken 51% der Gesamtbevölkerung aus, Protestanten 26%, Adventisten 11%, Muslime 10%.

Die traditionelle Religion in Ruanda war monotheistisch, d.h. es wurde nur ein Gott verehrt – was für eine afrikanische Religion relativ untypisch ist. Seinen Namen, Imana, verwenden die Ruander auch heute noch für den christlichen Gott. Das zeigt, dass es für die Missionare relativ einfach war, die Ruander vom Christentum zu überzeugen, denn es hatte Ähnlichkeit mit ihrem ursprünglichen Glauben.

 

Siedlungsstrukturen

Traditionell siedeln die Menschen in Ruanda nicht, wie in Europa verbreitet, in Dörfern. Sie sind gewöhnt an die Streusiedlungsweise, d.h. auf dem Land leben die Menschen in Einzelgehöften. Die Häuser sind dabei umgeben vom Feld und gegebenenfalls vom Stall und der Weide für das Vieh. Aufgrund der Überbevölkerung herrscht allerdings mittlerweile Landmangel, d.h. die Parzellen der einzelnen Familien werden immer kleiner. Der Vorteil dieser gestreuten Siedlungsweise liegt in der Nähe der Familien zu ihrem Feld und ihrem Vieh.

Die Streusiedlungsweise macht es jedoch sehr schwierig eine umfassende Infrastruktur zu etablieren, die die Menschen flächendeckend mit fließendem Wasser und Strom versorgt. Auch Schulen sind von vielen Siedlungen aus nur sehr schwierig zu erreichen. Die Lösung diese Problems sieht die ruandische Regierung im sogenannten „Umudugudu“. Seit 1994 wird diese Ansiedlung der Bevölkerung in engen Dörfern durch verschiedene Initiativen der ruandischen Regierung gefördert. Eine bessere Versorgung der Landbevölkerung mit Infrastruktur soll der Armutsbekämpfung dienen.

Die traditionelle Hausform war eine runde Hütte mit einem kegelförmigen Strohdach, das sogenannte Nyakatsi. Im Rahmen der Armutsbekämpfung ließ die ruandische Regierung 2008-2011 alle verbliebenen Nyakatsi, und auch Stroh- und Blätterdächer von anderen Häusern, abreißen. Viele Menschen wurden dadurch obdachlos, allein im Jahr 2011 waren schätzungsweise 120.000 Hütten betroffen. Gemeinnützige Organisationenengagierten sich und unterstützten die Betroffenen beim Bau neuer Hütten bzw. Dächer.

Auf diese Art ging das Regierungsprogramm tatsächlich auf und verbesserte die Wohnsituation vieler Menschen in Ruanda. Heute findet man kaum noch Hütten mit rundem, sondern nur noch mit rechteckigem Grundriss. Auf dem Land sind sie meist aus luftgetrockneten Lehmziegeln, aus Holz oder mit Lehm ausgefülltem Flechtwerk gebaut und haben Dächer aus Wellblech oder gebrannten Dachziegeln. In den Städten, vor allem in der Hauptstadt, gibt es auch sehr moderne Bauten aus gebrannten Ziegelsteinen, Stahlbeton und Glas.

 

Soziales

Etwa 90% der Bevölkerung Ruandas lebt auf dem Land. Zwar wandern immer mehr, vor allem junge Menschen, in die Städte ab, doch finden die wenigsten von ihnen dort Arbeit. Viele gehen wieder zurück aufs Land. Den Mittelpunkt des sozialen Lebens stellte bis 1994 die Großfamilie dar, die außer den Eltern und ihren zahlreichen Kindern auch Großeltern und entfernte Verwandte einschloss und jedem einzelnen Mitglied Schutz bot. Seit dem Genozid 1994 sind diese Strukturen allerdings vielerorts beschädigt. Oft kümmern sich Verwandte und Nachbarn nicht um verwaiste Kinder oder verwitwete Frauen, wie es früher einmal selbstverständlich gewesen ist. Die Kinderzahl pro Familie in Ruanda ist, im Vergleich zu Deutschland, nach wie vor recht hoch. Im Durchschnitt liegt sie bei fünf Kindern. Das Ansehen der Frau steigt durch die Mutterschaft.

 

Gleichberechtigung der Frau

Traditionell spielte die Frau in Ruanda eine sehr untergeordnete Rolle. Sie hatte sich männlichen Verwandten oder ihrem Ehemann bedingungslos unterzuordnen. Das änderte sich spätestens nach 1994, als viele Frauen und junge Mädchen ihren männlichen Vormund im Genozid verloren hatten. Die damalige ruandische Regierung erkannte die große Bedeutung der Frauen für den Wiederaufbau des zerstörten, entvölkerten Landes. Nach und nach wurden Gesetze erlassen, die den Frauen mehr Rechte gaben. So durften sie erstmals erben und Familienoberhaupt werden. Sie traten in die Öffentlichkeit und begannen Berufe auszuüben, die ihnen zuvor niemand zugetraut hätte. So arbeiten Frauen heute auch auf Baustellen und im Straßenbau. Aber auch in höher qualifizierte Jobs hielten sie Einzug. Mittlerweile müssen 30% aller Posten in Entscheidungsgremien von Frauen besetzt werden. In Bezug auf den Frauenanteil im Parlament ist Ruanda mit 61% (Stand 2018) sogar weltweit Vorreiter.

In der Praxis führen allerdings viele Frauen, gerade auf dem Land, noch ein recht traditionelles Leben. Der Großteil der Arbeit in Haushalt und Landwirtschaft entfällt auf sie. Es liegt in ihrer Verantwortung, die tägliche Mahlzeit zu sichern und die Kinder zu erziehen. Es ist ein alltägliches Bild, dass Frauen mit einem Kind auf dem Rücken auf dem Feld arbeiten oder die Ernte zum Markt tragen. Wenn arme Familien nicht alle Kinder in die Schule schicken können, sind es oft die Mädchen, die zu Hause bleiben müssen.

 

Gesundheitswesen

Landesweit stehen rund 40 Krankenhäuser und etwa 200 Gesundheitszentren zur Verfügung (Stand 2016). In Gesundheitszentren gibt es in der Regel keine Ärzte. Medizinische Routinefälle wie Grippe, Malaria oder Durchfallerkrankungen werden hier vom Pflegepersonal behandelt. Auch können Frauen hier gebären oder sich zum Thema Familienplanung Hilfe holen. HIV-Tests und -Medikamente werden hier ebenfalls angeboten. Kompliziertere Fälle werden an ein Krankenhaus überwiesen. Es gibt in Ruanda eine staatliche Krankenversicherung, die sich auch relativ viele Menschen leisten können. Dennoch gibt es noch immer Menschen, die den Beitrag nicht aufbringen können, gerade arme, kinderreiche Familien. Die größten Herausforderungen im Gesundheitssektor sind die Bekämpfung von HIV und Malaria, sowie die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und die allgemeine Verbesserung der Hygiene.

Die Trinkwasserversorgung stellt ein großes Problem dar. Ruanda hat zwar Glück, dass es über ausreichende Wasserreserven verfügt, aber das Wasser, das die Menschen aus Seen, Flüssen und Brunnen holen, ist oft mit Keimen und Parasiten besiedelt. Dies trägt zu der starken Verbreitung von Magen-Darm-Infekten und damit auch zur hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit bei. In manchen Familien wird das Wasser abgekocht, aber viele trinken es auch ohne es abzukochen. Es sind fast ausschließlich Kinder, die schwere Kanister voll Wasser von der nächstgelegenen Wasserstelle nach Hause tragen müssen und das meist mehrmals am Tag. Die hügelige Landschaft macht das Verlegen von Trinkwasserleitungen aufwendig und kostspielig. Eine öffentliche Abwasserentsorgung gab es bis vor kurzem gar nicht. In wenigen Neubaugebieten wurde sie mittlerweile jedoch berücksichtigt.

 

Verkehrsnetz

Ruanda hat keinen Zugang zum Meer und keine Eisenbahn. Dies sind zwei der vielen Faktoren, die die wirtschaftliche Entwicklung erschweren (s.u.). Etwa 1.400 Straßenkilometer trennen die Hauptstadt Kigali, vom jeweils nächstgelegenen Hafen in einem der Nachbarländer (Mombasa, Kenia oder Dar es Salaam, Tansania).

Das ruandische Straßennetz gilt zwar als eines der dichtesten in Afrika, doch nur die Hauptstraßen sind geteert. Der Großteil des ruandischen Straßennetzes besteht aus unbefestigten Straßen. Hinzu kommt die hügelige Landschaft, die gerade bei LKW zu hohem Kraftstoffverbrauch und häufigen technischen Problemen führt.

 

Bildungswesen

Ab Ende des 19. Jahrhunderts bauten Missionare in Ruanda Schulen auf. Seit der Schulreform des Jahres 1979 ist der Staat für das Schulsystem zuständig. Es gibt eine gesetzliche Schulpflicht von 12 Schuljahren. Kinder sollen mit 7 Jahren eingeschult werden. Die Einschulungsrate ist mit über 90% sehr hoch. Allerdings verbirgt sie die hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen, vor allem Mädchen, die die Schule vorzeitig abbrechen oder jahrelang unterbrechen und ihren Abschluss zum Teil erst mit weit über 20 Jahren machen. Gründe hierfür sind beispielsweise Geldmangel oder die Notwendigkeit, zu Hause im Haushalt und auf dem Feld zu helfen, oder ungewollte Schwangerschaften. Der Unterricht ist ab der 7. Klasse ganztags. Davor findet er halbtags statt, und zwar im „Schichtsystem“: eine Gruppe lernt vormittags, eine nachmittags. So wird versucht, den Mangel an Klassenräumen und qualifizierten Lehrkräften auszugleichen. Die Schulsprache für die ersten drei Klassen des Primarschulbereichs ist die Nationalsprache Kinyarwanda, danach ist es Englisch.

Schulpflicht bedeutet in Ruanda vor allem Recht auf Schule. Denn die ersten sechs Jahre sind gebührenfrei, danach gabelt sich der Weg der Schüler. Diejenigen, die das sogenannte „Nationale Examen“ bestehen und sich die Schulgebühren leisten können bzw. ein Stipendium erhalten, gehen auf weiterführende Internate. Dort erhalten sie eine hochwertige Ausbildung, die ihnen auch ein späteres Universitätsstudium ermöglichen kann. Außerdem werden sie rund um die Uhr betreut und bekommen mehrere Mahlzeiten am Tag. Die Internatsplätze bekommen sie vom Bildungsministerium zugewiesen, also kann es auch sein, dass das Internat weit von ihrem zu Hause entfernt ist. Trotzdem wünschen sich alle, es dort hin zu schaffen.

Schüler, die das Nationale Examen nicht bestanden haben oder sich das Internat nicht leisten können, gehen in die weiterführenden Klassen ihrer örtlichen Schule. Diese sind gebührenfrei, doch der Abschluss genießt längst nicht das Ansehen einer (Internats-) Sekundarschule. Gebührenfrei bedeutet in der Praxis auch nicht wirklich kostenlos. Um in die Schule kommen zu dürfen, brauchen die Schüler: eine Schuluniform, Schulmaterialien, einen Kurzhaarschnitt (der aus hygienischen Gründen bei Jungs wie Mädchen vorgeschrieben ist) und Schuhe (viele Kinder bekommen bei ihrer Einschulung die ersten Schuhe ihres Lebens). All das kostet Geld. Darüber hinaus sind kleine Beiträge zu zahlen, z.B. für Lehrermotivation, Klassenraumbau oder Kopierkosten. Alles in allem sind diese Kosten für viele Familien schon zu hoch.

Das höchste Ziel aller ruandischen Schulkinder ist es, einmal zu studieren. Es gibt nur eine staatliche Universität mit verschiedenen Fachbereichen, die Nationaluniversität von Ruanda im südlich gelegenen Huye. Darüber hinaus existieren zwei kleinere, spezialisierte staatliche Hochschulen, eine für Technologie und eine zur Ausbildung von Lehrern, in Kigali. Studieren ist sehr teuer. Allerdings vergibt der Staat viele Stipendien, sodass Schüler, die die Sekundarschule mit besonders guten Leistungen abschließen, gute Chancen auf ein Studium haben. Neben den staatlichen Bildungseinrichtungen gibt es aber auch private. Diese privaten Hochschulen sind sehr begehrt, nicht zuletzt auch die Abendkurse, die viele berufstätige Ruander nach der Arbeit besuchen, um sich weiterzubilden.

 

Kunst und Kultur

Musik ist aus dem Alltag der Ruander nicht wegzudenken. Sie pflegen vor allem ihren traditionellen Tanz mit Trommel- und Schellenbegleitung und ihren traditionellen Gesang. In der Kirche wird laut gesungen und oft auch getrommelt. Moderne Pop- und Rap-Musik auf Kinyarwanda, Swahili und Englisch ist bei der jüngeren Generation sehr populär. In der Stadt träumen die Jugendlichen, genau wie in Europa, davon, einmal Popstar zu werden.

Davon abgesehen sind die Ruander sehr geschickt im Kunsthandwerk, vor allem bei Flechtarbeiten. Das schriftstellerische Handwerk bildet sich erst seit weniger als 100 Jahren langsam heraus, denn ursprünglich hatte Ruanda, wie häufig in Afrika anzutreffen, eine orale Kultur. Theater und bildende Künste sind zwar traditionell keine wichtigen Kunstformen, doch erfahren sie durch europäischen Einfluss immer mehr Verbreitung.

 

Wirtschaft Ruandas

Bruttoinlandsprodukt 2012 betrug gut 6 Milliarden US-Dollar, pro Kopf 650 US-Dollar. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Ruander im Schnitt 650 USD im Jahr verdient, sondern dass Produkte und Dienstleistungen von diesem Wert im jeweiligen Jahr im Land hergestellt wurden.

In Ruanda leben 90% der Bevölkerung von der Landwirtschaft bzw. der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Das ruandische Klima erlaubt zwei Ernten im Jahr. Der Großteil der Gesamtfläche des Landes wird landwirtschaftlich genutzt. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums bleibt einer kleinbäuerlichen Familie im Durchschnitt 1 Hektar Land zum Bestellen. Dabei werden mehr als zwei Drittel der landwirtschaftlichen Erzeugnisse für die Subsistenzwirtschaft verwendet, d.h. für die Ernährung der eigenen Familie.

Das wichtigste Produkt für den Inlandsmarkt sind Bananen – in der uns bekannten Form, aber vor allem als Kochbananen. Andere sehr verbreitete Lebensmittel sind Maniok, rote Bohnen, Mais, Sorghum (eine Hirse-Art), Süßkartoffeln und Tomaten sowie tropisches Obst. Die Viehhaltung konzentriert sich in erster Linie auf Ziegen, Hühner und Rinder – gelegentlich auch Schweine, Schafe und Kaninchen. Einheimische Rinder und Ziegen produzieren nur wenig Fleisch und Milch. Eingeführte europäische Rassen sind produktiver, werden aber aufgrund der ungewohnten Umweltbedingungen leicht krank. Gleiches gilt für die ebenfalls eingeführten Schweine.

Mit rund 50% der Erlöse sind Kaffee und Tee die wichtigsten Agrarprodukte für den Export. Kaffee wird von Kleinbauern angebaut, Tee auf großen Plantagen, vor allem im Norden und Südwesten des Landes. Die früher überwiegend staatlichen Teeplantagen sind mittlerweile privatisiert worden bzw. zur Privatisierung ausgeschrieben. Unter dem Einsturz der Kaffee-Preise in den 1980er Jahren hat Ruanda sehr gelitten. Die Regierung bemüht sich, das Exportgeschäft mit Kaffee und Tee wieder anzukurbeln.

Darüber hinaus sind wichtige Wirtschaftszweige die Bauwirtschaft, der Export von mineralischen Rohstoffen (Zinn, Wolfram, Tantalit) sowie von Kaffee/Tee und Dienstleistungen. Ebenfalls von Bedeutung ist der Tourismus.

Die Industrie ist ein schwacher Wirtschaftszweig. Neben der oben erwähnten Verarbeitung von Agrarprodukten stellt sie einfachste landwirtschaftliche Geräte wie Hacken her, außerdem Zement, Rohre, Plastikprodukte (z.B. Eimer), Kosmetik, Textilien und Möbel. Außerdem gibt es zwei große Brauereien, die Bier und Softdrinks herstellen.

Bei dem Versuch, die Wirtschaft und damit die Entwicklung des Landes anzukurbeln, steht Ruanda vielen Herausforderungen gegenüber. Eine davon ist die schwierige Verkehrslage (vgl. Verkehrsnetz). Der Transport von Gütern aus, nach oder durch Ruanda ist verhältnismäßig teuer und dauert lange. Ein Hafen oder eine Eisenbahnstrecke würde den Handel sehr erleichtern. Da ein Hafen nicht im Bereich des Möglichen liegt, befindet sich die Eisenbahnstrecke schon lange in Planung. Ob und wann sie allerdings umgesetzt werden kann, ist unklar. Der Bau einer Eisenbahnstrecke durch eine derart hügelige Landschaft ist aufwendig und braucht einen Investor, der bereit ist, viel Geld für dieses Projekt aufzubringen. Der Mangel an Exportmöglichkeiten ist ein großes Problem, weil der Binnenmarkt sehr wenig Kaufkraft aufweist. Wenige Ruander haben Geld zur Verfügung für Konsum. Darunter leidet auch das Handwerk. Die vielen Kleinbetriebe haben es schwer, zahlungsfähige Kunden für ihre Produkte und Dienstleistungen zu finden. Das macht es ihnen wiederum unmöglich, sich mit modernem Gerät auszustatten, weshalb die meisten von ihnen mit einfachsten Mitteln arbeiten müssen. Ein anderes gravierendes Problem in allen Bereichen, vor allem aber im Handwerk, ist die mangelnde berufliche Qualifikation. Hier besteht ein großer Bedarf zur Verbesserung, in erster Linie bei der handwerklichen Ausbildung.

Ein weiterer wirtschaftshemmender Faktor ist der Mangel an Energie. Etwa 95% des Energiebedarfs Ruandas wird durch Holz und Holzkohle gedeckt, und zwar vor allem zum Kochen. Zu Strom hat gerade einmal 17% der Bevölkerung Zugang. Viele Kleinbetriebe, z.B. Schreiner- oder Schneiderwerkstätten, könnten effizienter arbeiten, wenn sie Zugang zu Strom hätten. Die Regierung legt mittlerweile ein besonderes Augenmerk auf die Erschließung zusätzlicher Energiequellen. Aktuell wird Elektrizität produziert mittels Wasserkraftwerken, Dieselgeneratoren, Solarenergie und ersten vorsichtigen Versuchen, die Methangas-Vorkommen unter dem riesigen Kivu-See nutzbar zu machen. Diese Methangas- und Solarenergie-Nutzung sowie die Wasserkraftwerke werden aktuell ausgeweitet. Zusätzliche potenzielle Energiequellen wie Geothermik und Biogas werden geprüft.

 

Geschichte

Ruanda verstehen zu wollen, ohne seine jüngere Geschichte zu kennen, ist unmöglich, ganz besonders aufgrund der Nachwirkungen des Völkermordes von 1994. An dieser Stelle kann nur eine knappe, oberflächliche Zusammenfassung der ruandischen Geschichte gegeben werden, um die grundsätzliche Problematik aufzuzeigen.

Man geht davon aus, dass das Königreich Ruanda schon Jahrhunderte vor seiner Kolonialisierung in ähnlicher Form bestand. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, da erst Ende des 19. Jahrhunderts damit begonnen wurde, die mündlichen Überlieferungen aufzuschreiben. In der Literatur über Ruanda ist häufig zu lesen, dass das Land von drei „ethnischen Gruppen“ bewohnt wird: den Hutu (Mehrheit), Tutsi (Minderheit), Twa (mit einem Anteil von etwa 1% an der Gesamtbevölkerung) – dabei seien die Tutsi ein hamitisches Hirtenvolk, das von Norden her eingewandert sei und die anderen beiden Völker unterworfen habe. Diese Auffassung verbreiteten Forscher während der Kolonialzeit und sie hält sich in Europa hartnäckig, ist in Ruanda allerdings verpönt. Bei Hutu und Tutsi ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass es sich bei ihnen um verschiedene Stämme handelt oder gehandelt hat. Sie teilen eine Sprache, Kultur und ursprüngliche Religion, und sie bevölkern Ruanda seit langem ohne räumliche Trennung, sind Nachbarn, heiraten untereinander etc. Fest steht allerdings, dass es einmal unterschiedliche soziale Schichten waren. Im früheren Königreich Ruanda stellte die Minderheit der Tutsi den Adel dar und brachte den König hervor. Es ist also nicht auszuschließen, dass gewisse soziale Spannungen zwischen den beiden Gruppen bestanden.

Auf der sogenannten „Berliner Konferenz“ oder auch „Kongo-Konferenz“ 1885 in Berlin wurde Zentral- und Ostafrika weitestgehend unter den europäischen Kolonialmächten aufgeteilt. Hier ging es zwar vor allem um die belgischen Interessen am Kongo, aber auch um die Grenzziehung in der Region allgemein. Damit wurden unter anderem die Voraussetzungen für die Entstehung Deutsch-Ostafrikas geschaffen. Bis dahin war das kleine Königreich Ruanda für die Europäer nur ein weißer Fleck auf der Landkarte, ein unzugängliches Gebiet zwischen zwei interessanten Territorien: dem Kongo-Becken und dem heutigen Tansania. Aus diesem Vertrag und den darauffolgenden Verhandlungen entstand 1890 zwischen dem Deutschen Reich und England der sogenannte „Helgoland-Sansibar-Vertrag“, nach dessen Einteilung u.a. auch das sogenannte Gebiet Ruanda-Urundi endgültig unter deutsche Oberhoheit fiel. Zu diesem Zeitpunkt war über Ruanda nichts bekannt, erst zu Beginn der 1890er Jahre reisten die ersten Europäer dort hin. Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland alle Kolonien abgeben, und das Gebiet Ruanda-Urundi wurde als Mandatsgebiet an Belgien übertragen (zunächst vom Völkerbund, ab 1946 von der UNO). Bis 1961 arrangierten sich sowohl die Deutschen, als auch die Belgier mit dem jeweiligen ruandischen König (Mwami). Ruanda blieb ein Königreich bis kurz vor seiner Unabhängigkeit im Jahre 1962.

Die europäischen Kolonialherren interpretierten über die Jahrzehnte Verschiedenes in das Verhältnis Hutu-Tutsi hinein und förderten mal mehr die eine, mal mehr die andere Seite. Sie definierten imaginäre biologische Unterschiede zwischen den beiden Gruppen und führten sogar Stempel ein, die jeder Ruander im Pass haben musste, um seine „Ethnie“ auszuweisen. Diese und andere Maßnahmen der Europäer verstärkten die Spannungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.

Tatsächlich empfinden viele Ruander eine gewisse Identifikation mit der „eigenen Gruppe“. Auch wurden während diverser gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen die verschiedenen kolonialen Ideologien um Ethnie, „natürlichen Herrschaftsanspruch“ oder demokratische Herrschaft der Mehrheit von beiden Seiten instrumentalisiert.

Der Konflikt zwischen den Gruppen der Hutu und der Tutsi verlief schon vor der Unabhängigkeit gewaltsam. So gab es ab 1959 diverse Wellen von Gewalt und große Flüchtlingswellen von Tutsi in die Nachbarländer. Eine Gruppe von ihnen begann, von Uganda aus für die Rückkehr der Flüchtlinge nach Ruanda und die Beteiligung der Tutsi an der Regierung zu kämpfen. Sie nennt sich „Front Patriotique du Rwanda (FPR)“ bzw. „Rwandan Patriotic Front (RPF)“. Sie versuchte 1990, Ruanda militärisch anzugreifen, was zu dem Friedensvertrag von Arusha von 1993 mit einigen Zugeständnissen an die RPF führte. Als der damalige ruandische Präsident, Juvénal Habyarimana, am 6. April 1994 gerade von Friedensverhandlungen in Tansania zurückkehrte, wurde sein Flugzeug abgeschossen. Was darauf folgte, wird als Genozid (Völkermord) bezeichnet und oft mit dem Holocaust verglichen.

In den Monaten April bis Juli 1994 – innerhalb von etwa 100 Tagen – wurden in Ruanda zwischen 800.000 und 1 Million Menschen systematisch getötet. Die gesamte Hutu-Bevölkerung wurde von der Regierung aufgerufen, alle Tutsi zu töten. Das Radio forderte dazu auf, ebenso wie lokale Behörden. Auch viele oppositionelle bzw. gemäßigte Hutu fielen dem Morden zum Opfer. Die Vereinten Nationen weigerten sich monatelang, die Vorgänge in Ruanda als „Genozid“ einzustufen und damit anzuerkennen, dass ein Eingreifen erforderlich war. Die Weltöffentlichkeit verfolgte das Morden in den Medien, aber half nicht. Erst mit dem Sieg der RPF im Juli 1994 endeten die Massaker. Dennoch dauerte es Monate, bis von internationaler Seite das Misstrauen gegenüber dieser Rebellengruppe in Hilfsbereitschaft für die ruandische Bevölkerung umschlug. Der Machtübernahme durch die RPF folgte eine große Flüchtlingswelle von Hutu, vor allem in den Osten des Nachbarlandes D.R.Kongo. Viele Täter und Drahtzieher des Völkermordes scharten Hutu-Zivilbevölkerung als Schutzschild um sich und versteckten sich in den Flüchtlingsströmen. Es gab zahlreiche Gerüchte über Vergeltungsschläge an Hutu. Tatsächlich bemüht sich jedoch die neue Regierung, die von der RPF etabliert wurde, seither um Versöhnung. Die Begriffe Hutu und Tutsi sind aus dem öffentlichen Leben verbannt worden. Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, sich zusammen zu tun, um ein gemeinsames Ruanda aus den Trümmern nach dem Bürgerkrieg aufzubauen. Der Wiederaufbau und die Entwicklung des Landes sind und waren die erklärten Ziele der Regierung, und Ruanda hat bis heute vorbildliche Fortschritte in vielen Bereichen hervorgebracht. Dennoch ist die ruandische Gesellschaft durch den Genozid bis heute traumatisiert.

 

Staat

Als präsidiale Republik ist Ruanda demokratisch, allerdings mit einem starken Präsidenten mit Veto-Recht. Der Präsident wird in allgemeinen Wahlen bestimmt, zuletzt 2017. Dr.h.c. Paul Kagame von der Partei RPF (vgl. Geschichte) bekleidet dieses Amt seit 2000. Ihm zur Seite steht der Premierminister seit. Das ruandische Zwei-Kammerparlament besteht aus der Nationalversammlung und dem Senat. Die 80 Mitglieder des Abgeordnetenhauses und 14 der insgesamt 26 Senatoren werden gewählt – während der Premierminister, die Minister und 8 Senatoren vom Präsidenten ernannt werden.

Die übrigen 4 Senatoren ernennt das Forum der politischen Parteien. Als wichtige Errungenschaft im Sinne der Menschenrechte gilt die Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 2007. Das Land ist unterteilt in die 5 Provinzen Kigali-Stadt, Nord, Ost, Süd und West. Diese sind wiederum untergliedert in 30 Distrikte, diese in Sektoren, jene in Zellen. Als kleinste Verwaltungseinheit fungiert der „Umudugudu“, also sozusagen das Dorf (vgl. Siedlungsstrukturen). Da viele Menschen (noch) nicht in Dörfern leben, ist ihr nächster Ansprechpartner die Zelle oder der Sektor.


Quellen

liportal.giz.de
www.auswaertiges-amt.de
www.rlp-ruanda.de/
www.infothek.statistik.rlp.de
www.saarland.de (PDF)
http://data.worldbank.org/
http://hdr.undp.org/

Helmut Strizek: Geschenkte Kolonien. Ruanda und Burundi unter deutscher Herrschaft. Christoph Links, Berlin 2006.

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