12.06.2020

Seuchenbekämpfung sehr gut, Krisenmanagement ungenügend

Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Pandemie haben Uganda fest im Griff. Auch in unserem Partnerprojekt, dem Jugend- und Ausbildungszentrum Kamuli, ist das zu spüren. 

Unser Projektland Uganda ist bekannt für seinen sicheren und professionellen Umgang  mit sich schnell ausbreitenden Krankheiten –  und hat eines der besten Virusforschungsinstitute Afrikas. Insbesondere mit Ebola hat man viele Erfahrungen. Die Regierung handelte in der Vergangenheit immer sehr konsequent und effektiv und konnte so Ausbrüche von Ebola zügig eindämmen. Während der großen Ebola-Epidemie in Westafrika im Jahr 2014/15 leistete Uganda den betroffenen Ländern wertvolle Unterstützung.

Auch in der Corona-Pandemie handelte die ugandische Regierung daher schnell und entschlossen, noch bevor im Land selbst der erste Fall von Covid-19 bekannt wurde. Die Grenzen wurden dicht gemacht, Schulen, Universitäten etc. geschlossen, der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt und strikte Ausgangsbeschränkungen und Abstandsregelungen wurden eingeführt. Bis heute (Stand 12.06.2020) gibt es in Uganda daher auch nur 679 nachgewiesene Fälle von Covid-19. Viele davon wurden von Lastwagen-Fahrern aus den Nachbarländern Kenia und Tansania  eingeschleppt, die wichtige Güter für Uganda ins Land bringen.

So erfolgreich die Maßnahmen zur Bekämpfung in Uganda auch sind, desto schwerwiegender sind die Folgen des rigorosen Lockdowns aber für die Bevölkerung. Die Wirtschaft ist eingebrochen, die Preise für Lebensmittel und andere Güter sind in die Höhe geschnellt. Die Regierung schafft es bisher nicht, die Bevölkerung in dieser schwierigen Lage angemessen zu unterstützen. Auch wenn die Einschränkungen nun nach und nach wieder gelockert werden und die Regierung Hilfsmaßnahmen verspricht, werden die wirtschaftlichen und sozialen Folgen noch lange zu spüren sein.

Auch an unserem Partnerprojekt, dem Jugend- und Berufsbildungszentrum Kamuli, geht die Situation nicht spurlos vorüber. Die Schulen sind landesweit wohl noch bis mindestens Juli geschlossen, so auch in Kamuli. Die Lehrer haben für April noch ihr Gehalt bekommen; da aufgrund der Schulschließungen jedoch keine Schulgebühren bezahlt werden, können auch bald die Lehrerinnen und Lehrer nicht weiter bezahlt werden.

Auch wenn die Schulen nun bald wieder öffnen, werden sich neue Probleme stellen: die Familien in der Region haben die Auswirkungen des Lockdowns natürlich auch zu spüren bekommen, fast alle sind in finanziellen Nöten. Erhöhte Preise für Lebensmittel, der Verlust von Arbeitsplätzen oder Einbußen durch die Schließung ihrer Geschäfte haben  die ohnehin schon geringen Geldreserven der Familien schrumpfen lassen. Wer kann in so einer Situation noch Schulgeld bezahlen? Das Berufsbildungszentrum hat daher schon beschlossen, im nächsten Schuljahr die Schulgebühren zu reduzieren. Außerdem sollen Lebensmittel gekauft werden, um die rund 600 Schülerinnen und Schüler mit Schulspeisungen versorgen zu können, sobald der Unterricht wieder losgeht.

Aktion Tagwerk unterstützt das Jugend- und Berufsbildungszentrum Kamuli daher mit zusätzlichen 5.000 Euro. Damit können ca. 162 Zentner Grundnahrungsmittel für die Schulspeisungen finanziert werden.

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Katrin Dörrie

Als Referentin für Globales Lernen kümmert sich Katrin Dörrie um die Vermittlungen der neuesten Informationen aus den unterstützten Projektländern und Projekten. Unter anderem ist sie für die Inhalte des Aktion Tagwerk-Blogs verantwortlich.

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