10.01.2020

Zu Gast beim ISONGA-YEWE Club

Wir befinden uns an einer Schule für 1300 Schülerinnen und Schüler im Sektor Bushenge. Mitten auf dem Schulhof stehen dreißig Stühle, in Reihen hinter einander aufgestellt. Darauf sitzen Kinder und Jugendliche, Mädchen und Jungen – alle sind gespannt und voll freudiger Erwartung. Der Schuldirektor erhebt sich, begrüßt das Publikum und kündigt stolz den YEWE-Schulclub an. Dann beginnt die Theateraufführung.

Das selbst entwickelte Stück handelt von einem Schulmädchen, das einen jungen Mann kennenlernt. Er umwirbt sie, macht ihr teure Geschenke und fährt sie nach der Schule mit seinem Motorrad nach Hause. Dann möchte er Sex und verspricht ihr, dass nichts passieren kann. Als sie ihm später von ihrer Schwangerschaft erzählt, weist er jegliche Verantwortung von sich und lässt sie alleine. In der Familie und der Schule sorgt die Schwangerschaft des Mädchens für große Aufregung. Aber auch ein anderer Fall, in dem es um Drogenkonsum und –handel geht, beschäftigt den Schulleiter. Die Polizei wird hinzugezogen, um nach dem Drogenhändler, aber auch nach dem jungen Motorbiker zu suchen – denn beide haben sich strafbar gemacht. 

Das Publikum hat die Aufführung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler werden mit langem Applaus für ihre Darbietung belohnt.  Abschließend ergreift der Schulleiter nochmal das Wort, er bedankt sich für das Stück und hebt die Bedeutung des YEWE-Clubs an der Schule hervor: Seitdem es den YEWE-Club gibt, haben sich die Teenager-Schwangerschaften an der Schule reduziert. Zudem setzt sich der Club aktiv für die Schulgemeinschaft ein, so wurden beispielsweise gemeinsam neue Abwasserkanäle für die Schule angelegt, ein Ausflug zu einer Gedenkstädte des Genozids von 1994 organisiert und  mehrere bedürftige Schülerinnen und Schüler durch den Kauf von neuer Schulkleidung unterstützt. Aber der YEWE-Club hat nicht nur innerhalb der Schule eine positive Wirkung, auch außerhalb des Schulgebäudes kommt er an. Immer wieder erhalten die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler Anfragen, bei Festen und Veranstaltungen in den umliegenden Gemeinden aufzutreten. Zudem sind auch andere Schulen auf die Theatergruppe aufmerksam geworden und fragen nach, wie sie ein ähnliches Projekt bei sich etablieren können.

Das Projekt der YEWE-Clubs wurde vor einem Jahr mit der Unterstützung von Aktion Tagwerk von der lokalen Partnerorganisation Strive Foundation Rwanda ins Leben gerufen, insbesondere um die hohe Zahl von Teenagerschwangerschaften und Schulabbrüchen zu bekämpfen. Nach einer kurzen Ausbildung für interessierte Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler konnten bisher an zehn Schulen YEWE-Clubs etabliert werden. Der ISONGA-YEWE-Club ist einer davon. Das Theaterprojekt schafft an den Schulen für junge Menschen Räume, Probleme  in der Schule und im alltäglichen Lebensumfeld zu erkennen, zu thematisieren und zu analysieren, um sie dann sichtbar zu machen und bearbeiten zu können.  Häufig geht es um Machthierarchien, Drogen, aber auch um Tabuthemen wie Schwangerschaft und Sexualität über die innerhalb der Familien in der Regel nicht gesprochen wird. Dabei wirken die Club-Mitglieder als Multiplikatoren, denn sie tragen die Themen weiter in die Gesellschaft, sensibilisieren dafür und fordern eine Auseinandersetzung damit. Die YEWE-Clubs sind beliebt und zeigen erste Wirkung. Dementsprechend steigt die Nachfrage an anderen Schulen. Das Projekt soll nun erweitert werden – auch mit der Unterstützung von Aktion Tagwerk aus der Kampagne 2020.

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Lea Korossy-Julius

Als Referentin für Organisation und Globales Lernen ist Lea Korossy zuständig für die inhaltliche Betreuung des Freiwilligenteams. Sie konzipiert Workshops zur Weiterbildung und bereitet die Freiwilligen auf ihre Infomobil-Besuche vor.

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