Stiftung Tagwerk-Projekte
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Kinderfamilien

Ruanda , Westprovinz , Distrikte Nyamasheke und Rusizi

Im Projekt werden rund 300 Kinderfamilien und alleinerziehende Mütter betreut. Die etwa 800 Kinder und Jugendlichen leben in weit abgelegenen und oft nur schwer zugänglichen Regionen auf dem Land in den beiden Distrikten Nyamasheke und Rusizi im Südwesten Ruandas.

© Jonas Steib, Mainz

Was sind Kinderfamilien?

Eine Kinderfamilie besteht aus Geschwistern, die beide Eltern verloren haben. Die Eltern sind häufig an Krankheiten wie beispielsweise Aids, Malaria oder Tuberkulose gestorben.

Manche Eltern kommen auch aufgrund schwieriger Lebensverhältnisse mit sich selbst und ihrer Verantwortung gegenüber ihrer Familie nicht mehr zurecht und haben ihre Kinder aus diesem Grund zurückgelassen.

Die Kinder bleiben in der Regel im Elternhaus wohnen und eines der Älteren übernimmt die Verantwortung für die Jüngeren. So wachsen sie im Geschwisterverband ohne Eltern auf.

© Katrin Dörrie, Mainz

So läuft das Projekt ab

Die Stiftung Tagwerk und Human Help Network arbeiten vor Ort mit der Partnerorganisation Strive Foundation Rwanda zusammen. Für die Kinderfamilien wurde ein komplexes Konzept von Hilfsmaßnahmen entwickelt, um die Grundbedürfnisse der Jungen und Mädchen abzudecken und ihre Lebenssituation zu verbessern.

Die Mitarbeiter:innen der Strive Foundation unterstützen die Kinderfamilien dabei, ihren Lebensalltag trotz der schwierigen Bedingungen zu gestalten.

© Bernd Weisbrod, Ingelheim

Viele Kinder und Jugendliche leiden aufgrund der erlebten traumatischen Erfahrungen unter Ängsten und werden von Sozialpädagog:innen psychosozial begleitet. Auch beim Anbau von Getreide und Gemüse sowie bei der Kleintierhaltung werden die Kinderfamilien unterstützt, damit sie sich eigenständig versorgen und ausgewogen ernähren können. Zudem werden die Schulkosten und die Krankenversicherung für die Kinder und Jugendlichen übernommen.

Die Kinderfamilien unterstützen sich auch gegenseitig in eigenen Arbeitsgruppen. Zusammen verwirklichen sie kleine Projekte und lernen so von- und miteinander.

Was ist das ZIEL DES PROJEKTS?

Ziel ist es, die jungen Menschen beim Heranwachsen und in der Ausbildung so zu begleiten und zu unterstützen, dass sie als Erwachsene ein eigenständiges Leben führen können. Das Projekt bietet den Kindern und Jugendlichen einen sicheren Rahmen für ihre Entwicklung sowie eine Perspektive, dass sich ihre Lebensumstände verbessern.

Die Projektarbeit der Stiftung Tagwerk orientiert sich an den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen.

So werden die Sustainable Development Goals (SDGs) im Projekt umgesetzt

1 Keine Armut

SDG 1

Es ist das langfristige Ziel des Projekts, die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen so zu verbessern, dass sie ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben ohne Not führen können. Durch die Bildungsangebote und die soziale Begleitung werden ihnen Wege aufgezeigt, die Armut langfristig zu überwinden.

2 Kein Hunger

SDG 2

Die Kinderfamilien werden in nachhaltiger Landwirtschaft und Kleintierhaltung geschult, damit sie sich eigenständig versorgen und ausgewogen ernähren können. In besonderen Notsituationen unterstützt die Stiftung Tagwerk mit Lebensmittelpaketen.

3 Gesundheit und Wohlergehen

SDG 3

Für alle Mitglieder der Kinderfamilie übernimmt die Stiftung Tagwerk die Kosten der Krankenversicherung. Durch Aufklärungsarbeit wird Krankheiten, aber auch ungewollten Schwangerschaften vorgebeugt. Daneben erhalten die Kinder psychologische und soziale Betreuung, die Alltagsorganisation und Konfliktbewältigung ermöglichen.

4 Hochwertige Bildung

SDG 4:

Die Kosten für den Schulbesuch werden übernommen, sodass fast alle Kinder die Schule besuchen können. Daneben erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu absolvieren. Während der durch die Covid-19-Pandemie bedingten Schulschließung wurden allen Familien Radios zur Verfügung gestellt, um den staatlichen Fernunterricht zu empfangen.

6 Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen

SDG 6:

Die Kinderfamilien gehören zu den ärmsten Haushalten und leben in sehr abgelegenen ländlichen Regionen. Hier sind Sanitäranlagen nicht selbstverständlich. Bei Bedarf werden Toilettenhäuschen gebaut und Händewaschstationen eingerichtet.

10 Weniger Ungleichheiten

SDG 10

Einkommen schaffende Maßnahmen ermöglichen es den Kinderfamilien, sich eigenständig zu versorgen und so ihren Platz in der ruandischen Gesellschaft zu finden. Die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung der Kinderfamilien im Projekt helfen dabei, Ungleichheiten in der Gemeinschaft zu überwinden.

13 Maßnahmen zum Klimaschutz

SDG 13

Im Projekt wird auf Maßnahmen zum Klimaschutz geachtet. So wurden für alle Familien Solarlampen angeschafft sowie energiesparende Öfen, die effizienter sind und weniger CO2 ausstoßen. Bei der Landwirtschaft wird großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt.

„Wenn eine neue Kinderfamilie in unserem Projekt aufgenommen wird, gehen wir sehr langsam und behutsam vor. Oftmals haben die Kinder traumatische Erfahrungen gemacht und es braucht etwas Zeit, bis sie Vertrauen zu uns entwickeln. Gemeinsam arbeiten wir an einer Verbesserung ihrer Situation und begleiten sie in ihrem Alltag. Die vielen kleinen Veränderung wirken sich positiv auf das Leben der Kinder aus und sie fassen wieder Mut für ihre Zukunft.“

Alphonsine Esperance Mukeshimana, Agraringenieurin